Fotostory: Kostbarer Rohstoff - Hundewolle

Wenn die zwölfjährige Indra, ihre Tochter Mascha und die junge Náncsi von ihrer Besitzerin Ulrike Klohn geknuddelt und gestreichelt werden, lösen sich Haare aus dem Fell der eisbärfarbenen ungarischen Hirtenhunde. Vor allem durch das Ausbürsten des Fells zur Pflege der Hunde, gewinnt Ulrike Klohn ein Kilo Rohwolle pro Jahr und Hund. Für Ulrike Klohn ist Hundewolle seit langem ein kostbarer Rohstoff. In diesem Jahr feiert sie Jubiläum: Seit 20 Jahren existiert ihre eigene Spinnstube für Hundewolle.

„Hundewolle ist viel wärmer als Schafswolle, die Eskimos und Kaukasen wissen das schon lange und verarbeiten sie zu verschiedenen Produkten“, berichtet Ulrike Klohn. Die Besitzerin der Spinnstube für Hundewolle hat vor über 20 Jahren im Sauerland jemanden gesucht, der die Haare ihres damaligen ungarischen Hirtenhundes für sie zu Wolle spinnen würde. „Ich fand damals einen kleinen Laden, der Rohwolle und Spinnräder zum Verkauf anbot, ich konnte dort einen Spinnkurs machen, aber meine Hundewolle durfte ich nicht mitbringen“, erzählt die Hundenärrin. Aber die Idee zur eigenen Spinnstube für Hundewolle war geboren. „Das Spinnen von Hundewolle ist ein altes, mühseliges Handwerk“, weiß Ulrike Klohn. Täglich schnurrt mehrere Stunden am Tag das Spinnrad. Die erfahrene Spinnerin braucht für ein Kilo strickfertigeHundewolle je nach Stärke der Wolle bis zu 27 Stunden. Vom Säckchen Rohwolle bis zum fertigen Pullover ist es ein langer Weg.

Vom ausgekämmten Haar zum fertigen Pullover – ein langer Weg


„Viele Leute wünschen sich eine bleibende Erinnerung an ihren vierbeinigen Liebling und sammeln daher zu Lebzeiten die Haare, die ein langhaariger Hunde sowieso überall verliert“, erklärt Ulrike Klohn die Motivation ihrer Kunden. Mittlerweile bekommt sie neben ihren deutschen Kunden auch Pakete mit Hundewolle aus Österreich, Italien, der Schweiz, Luxemburg und Belgien. „Wichtig ist, dass nur ausgekämmte Haare versponnen werden können. Geschorene oder geschnittene Wolle eignet sich nicht“, warnt sie. Der Sammler sollte ein Stück Seife oder ein Säckchen mit Lavendelblüten in das Behältnis mit der Hundewolle geben. „Das hält die Motten fern!“ Außerdem sollten Kletten und kleine Zweige sofort entfernt werden. Übrigens können auch Besitzer von Kurzhaarrassen wie Husky oder Schäferhund die Wolle ihres Lieblings sammeln. Da deren Unterfell sehr kurz ist, muss diese Wolle allerdings mit anderer Wolle, zum Beispiel Alpaka, gemischt werden, damit sie versponnen werden kann.
Wenn so ein Haufen Rohwolle bei Ulrike Klohn, die mittlerweile an der Nordsee wohnt, eingetroffen ist, muss sie erst einmal gekämmt oder „kardiert“ werden. Das geschieht durch einen Apparat. Dann geht es schließlich ans Spinnrad. Die gekämmte Wolle wird auf zwei Spulen verteilt, damit sie dann 2-fädig gezwirnt werden kann. „Die Wolle muss gezwirnt werden, sonst ist sie nicht stabil genug“, erklärt die Expertin. Nach dem Zwirnen wird die Wolle schließlich „gehaspelt“, d.h. auf einen Strang gewickelt. Dann schließlich kann sie gewaschen und getrocknet werden.

 

Ein ganz besonderes Andenken


„Erst heute habe ich wieder ein Fax aus Bayern bekommen“, erzählt Ulrike Klohn. Eine Frau hat 600 Gramm Hundewolle ihres Eurasiers gesammelt, dann musste der Hund leider eingeschläfert werden. Ob die Menge ausreiche? Diese Kundin kann Ulrike Klohn beruhigen. Aus 600 Gramm lässt sich durchaus etwas machen. Zudem gibt es immer die Möglichkeit, die Wolle mit Alpaka anzureichern. Grundsätzlich gilt: Gewicht der Rohwolle minus 10 Prozent ergibt Gewicht der Strickwolle.

Bobtails, Neufundländer und Collies eignen sich am besten. Wer so einen Hundepullover trägt, ist seinem Freund immer sehr nahe. „Eine Kundin hatte eine Jacke aus Hundewolle, die sie noch unterfüttert hatte. Dann ist sie mit einer Fähre gefahren und die Zollhunde wollte einfach nicht von ihr ablassen“, erzählt Ulrike Klohn. Das hat die Zollbeamten dann so misstrauisch gemacht, dass sie das Futter aufgetrennt haben. Eine Anekdote zur Wolle erfährt die Züchterin von ungarischen Hirtenhunden eigentlich selten. „Die häufigste Frage, die mir gestellt wird, ist, ob die Kunden denn wirklich auch die Wolle aus der Rohwolle ihres Hundes zurückbekommen“. Da kann Ulrike Klohn ihre Kunden beruhigen. Die Rohwolle verlässt beim Spinnen nie das Behältnis, in dem sie bei Ulrike Klohn eingetroffen ist.
Ist die Wolle gesponnen, ist die Arbeit für Ulrike Klohn beendet. Stricken muss der Hundeliebhaber dann selbst.

Bild und Text:  © Uta Over / lieblingtier-Redaktion
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