Hunde und ihre Gedanken
Für alles, was Hund tut, gibt es einen Grund. Mensch mag das anders einschätzen, aber das ist für den Vierbeier zunächst zweitrangig. Schwierig wird es, wenn der zweibeinige Rudelpartner einzelne Reaktionen überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann. Oft genug ist Hund dann aber in der gesamten Nachbarschaft bereits als übler Raufer und Kläffer verschrien.„Es ist unmöglich von einem Hund zu verlangen, zu denken und zu handeln wie ein Mensch“, erklärt Trainer Wolfgang Heck. „Sobald wir das tun, werden wir mit ihm Probleme in alltäglichen Situationen erleben, die je nach Tri
ebanlage des Vierbeiners mehr oder weniger dramatisch ausfallen können.“ Und – so die langjährige Erfahrung des Kynopädagogen aus Merzenich / Morschenich – oft genug ist es leider der Mensch, der einfach nicht in der Lage ist, in die Gedanken- und Gefühlswelt seines Vierbeiners einzutauchen. Aber was geht nun wirklich in einem Hund vor, wenn er offensichtlich nur seinen eigenen Kopf durchsetzt – im Auto bellt, es sich auf dem Sofa bequem macht, jedem Radfahrer nachstellt oder seine Artgenossen angreift? ‚In den allermeisten Fällen ist die Rudelordnung nicht geklärt – weder Mensch noch Hund wissen, welche Position sie einnehmen.’ Einige Fallbeispiele für die unterschiedliche Denkweise der Partner:
Klassische Revierverteidigung: Es klingelt – Hund rennt zur Tür und bellt intensiv. Der Postbote ist verunsichert, traut sich häufig genug nicht mal mehr in die Nähe der Haustür.
Denkprozess beim Hund: Ich muss nur laut und kräftig bellen, dann verjage ich den Eindringling aus meinem Revier – und bin wieder der uneingeschränkte Chef im Ring!
Fehleinschätzung beim zweibeinigen Rudelführer: Warum mag er den Postbooten nicht? Muss wohl an der Uniform liegen. Guter Wachhund - es ist ja schließlich sein Revier!
Professionelle Sichtweise: Fehlende Unterordnung! Nur derjenige, der die Alpha-Position im Rudel einnimmt, warnt den Rest vor möglichen Eindringlingen. Wäre die Position innerhalb der Familie geklärt, würde der Hund im Beisein seines Menschen nicht bellen.

Aggressionen bei Rüden: Rangordnungskämpfe unter Rüden sind ein häufiges Phänomen – treffen die beiden Vierbeiner aufeinander, entladen sich ihre Aggressionen.
Denkprozess beim Hund: Da kommt die Konkurrenz in mein Revier; hier darf aber nur ich mich fortpflanzen - also kämpfe ich um mein Vorrecht.
Fehleinschätzung beim zweibeinigen Rudelführer: Mein Vierbeiner kommt mit seinen Artgenossen nicht klar - aber das machen die Männer schon unter sich aus.
Professionelle Sichtweise: Fehlende Unterordnung! Rangordnungskämpfe entstehen nur dann, wenn die Position des Hundes im Rudel ‚Mensch-Tier’ nicht eindeutig geklärt ist.

Futterverteidigung: Mein Hund knurrt oder greift mich sogar an, wenn ich mich nur in der Nähe seines Futternapfes aufhalte.
Denkprozess beim Hund: Der Ranghöhere frisst als Erster und legt fest, wen er während seiner Mahlzeit in seiner Umgebung duldet.
Fehleinschätzung beim zweibeinigen Rudelführer: Ich lasse mir ja auch nicht mein Essen vom Teller wegnehmen – also darf mein Hund sich in diesem Punkt auch durchsetzen.
Professionelle Sichtweise: Fehlende Unterordnung! Ein erzogener Hund, der die Rangordnung akzeptiert, lässt sich jederzeit sein Futter entziehen. Ein Verhalten, das unter Umständen sogar lebensrettend für den Vierbeiner sein kann.

Allgemeiner Gehorsam: Der Hund zieht an der Leine, wenn er andere Artgenossen sieht, kommt trotz mehrfachen Rufens nicht zurück - ignoriert jegliches Kommando.
Denkprozess beim Hund: In der Wohnung reagiere ich auch nicht vor dem fünften Rufen – und dann freuen sich alle, wenn ich endlich ganz gemächlich ankomme. Konflikt: Wie kann es sein, dass dieses Verhalten in der Wohnung funktioniert, der Rudelpartner in freier Wildbahn aber verärgert ist?
Fehleinschätzung beim zweibeinigen Rudelführer: Eigentlich ist mein Hund ja ein ganz netter Zeitgenosse; zwar befolgt er nicht immer meine Kommandos, aber das muss ja auch nicht sein – schon gar nicht in der Wohnung, zumal es dort ja auch nicht wirklich stört. Außerhalb ist das etwas anderes - da möchte ich, das er sofort reagiert und zu mir kommt, wenn ich ihn rufe und selbstverständlich nicht an der Leine zieht, wenn er andere Hunde sieht.
Professionelle Sichtweise: Auch hier ein klassischer Fall von fehlender Unterordnung. Kein Hund kann verstehen, dass er in ruhiger Atmosphäre mehrfach die Kommandos erhält - in Stress-Situationen aber bereits beim ersten Mal funktionieren soll. Wichtig: Gerade in entspannten Phasen ist Konsequenz angesagt; ist es für den Hund normal, sofort und unverzüglich das erste Kommando zu befolgen, wird er dies auch in Reizsituationen ohne Zögern tun.

Informationen: www.hundeschule-heck.de
Mehr Informationen rund um den Hund bei Liebling Tier TV:
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