Wie finde ich einen guten Hundecoiffeur?

Vor allem Frauen wissen: Ein Gang zum Friseur tut einfach gut. Was für uns Menschen selbstverständlich ist, gilt auch für Hunde. Auch die geliebten Vierbeiner fühlen sich wohler, wenn ihr Fell regelmäßig gepflegt und in Form gebracht wird. Bleibt die Frage offen: Wie finde ich einen guten Hundecoiffeur, auch „Groomer“ genannt? Einen wirklichen Spezialisten, der Bello art- und rassengerecht behandelt?
Franzosen sind Trendsetter

In Deutschland einen gut qualifizierten Hundefriseur zu finden, ist schwierig, aber nicht unmöglich. „Hier ist es leider immer noch gängige Praxis, die Hunde einfach nach Rassenstandard zu scheren“, bedauert Childrik Lennartz. Er ist Besitzer einer der führenden Hundesalons „Hundesalon und Mode“ in Wiesbaden. Zusätzlich zu seiner Ausbildung in Deutschland hat er auch noch bei dem französischen Hundecoiffeurweltmeister Denys Lorrain in Aix-en-Provence in Südfrankreich gelernt. „Die Franzosen und Italiener sind einfach Trendsetter“, schwärmt der Initiator und Veranstalter der Deutschen Hundecoiffeurtage. Ginge es nach ihm, müssten viel mehr selbsternannte Hundefriseure (der Begriff ist nicht geschützt) Fortbildungen besuchen. „ Man muss begreifen, das es sich um einen Beruf handelt, in dem man sich auch fortbilden muss“, unterstreicht der Hunde-Beauty-Experte. Denn auch wenn sich die Rassenstandards nicht grundsätzlich verändern, modisches Variationen gibt es auch bei den Hundefrisuren.
Hygiene und Naturprodukte

Wenn der Hund vor dem eigentlichen Schnitt gebadet wird, kommen in einem guten Salon wie bei „Hundesalon und Mode“ nur Naturprodukte zum Einsatz. „Sie enthalten keine Chemie und keine Konservierungsstoffe“, erklärt Lennartz. Denn tatsächlich erkranken auch immer mehr Hunde an Allergien. Auch selbstverständlich: Kein Handtuch wird zweimal benutzt. „In einem guten Salon, landen die benutzten Handtücher sofort in einer Wanne“, das steht für ihn fest. „In manchen Salons werden die Handtücher tatsächlich im Sommer in die Fönbox gehangen und im Winter über die Heizung gelegt“, empört sich der Experte. Er weiß, dass so Hautpilz übertragen werden kann. Auch die Maschinen werden desinfiziert. „Wenn Sie einen Salon betreten, schauen Sie sich einfach mal um. Wie hygienisch wi rkt er?“, rät Lennartz. Für seine eigenen Salons hat sich der Experte die Latte hoch gelegt: „Es darf nicht mehr riechen als bei einem Humanfriseur.“
Die Schere ist unverzichtbar

Nach dem Baden und Abtrock- nen geht es Ihrem Liebling schließlich ans Fell. Wenn der Hundefriseur Ihrer Wahl nur die Schermaschine ein setzt, sollten die Alarm- glocken klingeln. Denn die Maschine ist immer auf die gleiche Haarlänge eingestellt. „Mancher Hund ist aber krumm gewachsen“, meint Lennartz, „hat O-Beine, X-Beine, ist hinten höher also vorne.“ „Diese kleinen Schönheit sfehler, kann ich mit der Schere kaschieren“, argumentiert der Meister. „Wenn ich mit der Hand schneide, kann ich dem Hund ein bisschen Taille verschaffen. Wenn Sie als Mann oder Frau zu dick sind, ziehen sie doch auch keine quer gestreifte Kleidung an!“ Zu den Königsdisziplinen des Hundefriseurs gehört übrigens d er Schnitt eines Pudels. Deshalb findet der Pudelschnitt auf Hundefriseurmeister- schaften immer als Höhepunkt am Sonntagnachmittag statt. „Pudel haben eine stehende Fellstruktur und werden mit der Glattschere geschnitten, da sehen Sie jeden Fehlschnitt“, erklärt Childrik Lennartz. Andere Rassen, wie zum Bespiel der Shi-Tzu werden mit der einseitig gezahnten Modellierschere geschnitten. Sie erzeugt einen diffusen Schnitt, der wie natürlich gewachsen aussieht.
Kein Anbinden

„Ein Hund soll sich in meine m Salon wohl fühlen“, lautet das Credo von Childrik Lennartz. „Meine Behandlung soll bei ihm auf keine Fall negative Erinnerungen hervorrufen.“ Deshalb ist der Experte auch gegen das Entfernen von Zahnstein in den Hundesalons. „Ich bin Beauty-Experte und kein Arzt“, sagt er von sich selbst. Außerdem sollten die Hunde für die Schönheitspflege nicht angebunden werden. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Zahnarzt und werden auch noch festgebunden“, so Lennartz’ Argumentation. Kein Anbinden! Dieser Prämissen folgen grundsätzlich auch Childrick Lennartz Schüler(innen). So wie die Hundefriseurin Iris Gockel, die bei „Hundesalon und Mode“ ihre Ausbildung absolviert hat. 2004 gewann sie bei den German Grooming Masters die Silbermedaille. Nun führt sie erfolgreich ihren eigenen Salon „fresh und beauty“ in Grevenbroich und arbeitet grundsätzlich auch ohne Anbinden. „Wenn ich aber bei einem kleinen, sehr zappeligen Hunde damit rechnen muss, dass er vom Tisch springt und sich dabei verletzt, ziehe ich in seltenen Fällen das Anbinden vor“, erzählt sie. „Da hat die Kollegin grundsätzlich recht“, bestätigt ihr Ausbilder. Er versucht, die Handlung des Vierbeiners immer vorherzusehen und so Unfälle zu verhindern.

Dass es beim Hundefriseur auch zu Problemen kommen kann, ist nicht auszuschließen. „Ich hatte mal einen Hunde, der kam aus Spanien“, erzählt Iris Gockel, „den muss ich an eine Person erinnert haben, mit der er ein unangenehmes Erlebnis assoziierte. Er hat sich aufgeführt, dass ich selbst mit Maulkorb nicht zu Ende schneiden konnte.“ In solchen Fällen muss die Behandlung abgebrochen werden.
Abschließende Tipps
„Manche Salons prahlen mit Pokalen von Hundeausstellungen“, berichtet Childrik Lennartz. „Dabei bewerten die Richter auf Hundeausstellungen gar nicht die Leistung des Coiffeurs, sondern nur den Hund.“ „Hat aber ein Groomer Urkunden von einer Hundefriseurmeisterschaft vorzuzeigen, das ist natürlich was ganz anderes!“ Childrik Lennartz’ Rat: Fragen Sie ruhig nach den Qualifikationen ihres Hundecoiffeurs. Nimmt der Friseur an Fortbildungen teil? Kennt er die Rassenstandards? Kann er Ihnen erklären, was er warum macht?
Im großen und ganzen ist Childrik Lennartz optimistisch, dass sich auch auf dem Markt der Hundefriseure schlicht Qualität durchsetzen wird.
Text: Uta Over - Lieblingtier RedaktionBilderquelle: von oben: 1. © Uta Over
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