Fotostory: „Gespensterpferde“ auf den Weiden
Manch ein Wanderer bleibt geschockt stehen, wenn auf der Weide neben dem Weg ein Pferd auftaucht, das eine mittelalterlich anmutende Haube mit Ohrschützern trägt. Dieses Bild ist neu in der Landschaft, denn „verhüllte Pferde“ gibt es erst seit einigen Jahren.Genau genommen seit der Zeit, als man entdeckte, dass der Auslöser des quälenden Sommerekzems eine kleine Mücke/Gnitze ist, deren Stich die Allergie ausbrechen lässt. In Pferdeställen mit reiner Boxenhaltung wird man daher derart verkleidete und verhangene Pferde kaum sehen, denn diese Gnitze hält sich im Freien auf.
Allerdings halten immer mehr Pferdebesitzer ihre Pferde robust, d.h. die Pferde haben freien Zugang zu Weiden und kommen daher mit dieser Gnitze in Kontakt. Ein Schutz gegen die Gnitze ist die sogenannten „Ekzemerdecke“ , die das ganze Pferd einhüllt – von den Ohren bis zum Schweif. Sogar mit Bauchlatz gibt es diese Decken, die atmungsaktiv und sehr stabil sind. Allerdings auch ziemlich teuerEin sehr gewöhnungsbedürftiger Anblick für Nicht-Pferdemenschen. Robustpferdehaltern hingegen ist er mittlerweile vertraut.
Es gibt sogar kurze „Halsdecken“ .. Denn das Ekzem ist eine vielschichtige Krankheit, deren Symptom zwar immer der quälende Juckreiz ist, aber der tritt nicht bei jedem Pferd an derselben Stelle auf. Bei manchen Pferden ist der Mähnenkamm befallen, so dass sie sich manchmal innerhalb einer Stunde die gesamte Mähne an einem Baumstamm oder einer ähnlich rauen Stelle abschubbern . Die abgeschubberten Stellen sind dann
hochempfindlich – und eine willkommene Landestelle für weitere Gnitzen.Bei anderen Pferden beginnt das Jucken an der Bauchnaht oder an der Schweifrübe.
Diese Allergie hat in den letzten Jahren massiv um sich gegriffen. Zum einen ist dafür der Klimawandel verantwortlich, denn durch das wärmer werdende Klima haben alle Insekten bessere Überlebenschancen im Winter. Zum anderen trägt dazu auch bei, dass immer mehr Pferde artgemäß, d.h. mit viel Auslauf im Freien, gehalten werden.
Ekzemer sollten unbedingt die Möglichkeit haben, einen dunklen und kühlen Witterungsschutz, vielleicht eine Pferdebox oder eine dunkle Scheune, aufzusuchen, wenn die Gnitzen fliegen. Das tun sie vorzugsweise in der Morgen- und Abenddämmerung und nachts.
Dann müssen die Pferde die Möglichkeit haben, einen dunklen Schutzraum aufzusuchen.Natürlich hat die Industrie rund ums Pferd auch schon viele Nahrungsergänzungsmittel und spezielle Abwehrsprays gegen die Gnitzen entwickelt. Außerdem versuchen die Pferdehalter ihren Tieren die Krankheit zu erleichtern, indem sie sie in Decken hüllen, zu Zeiten auf die Weide lassen, in denen die Gnitze nicht schwirrt und die betroffenen Stellen mit Babyöl, Zink-Lebertransalbe oder speziellen Gels pflegen. Letzter Ausweg ist Cortison.
Noch ist der Durchbruch in der Forschung nicht in Sicht. Und bis dahin kann es einem passieren, dass plötzlich „ein Gespenst“ mit wehendem Gewand auf der Weide auf einen zugaloppiert.
© Text und Fotos: Uta Over












