Fotostory: Kleine Nachtgespenster brauchen unsere Hilfe
Bei Inge K. von der Fledermaushilfe „Flederhaus“ klingelt das Telefon. Eine Frau hat in ihrem Keller eine Fledermaus am Boden hocken gesehen und weiß nicht, was sie tun soll.„Nehmen Sie sich einen gut schließenden Schuhkarton und stechen Sie ein paar Luftlöcher hinein. Dann suchen Sie sich eine leere Küchenrolle oder etwas Ähnliches, verstopfen das eine Ende fest mit Küchenpapier, so dass eine Art Höhle entsteht und legen die Rolle in den Karton. Dazu kommt ein Dosendeckel oder etwas in der Art mit Wasser. Danach versuchen Sie die Fledermaus mit behandschuhten (!) Händen ganz zu umfassen, so dass die Flügel am Körper anliegen und setzen sie in den Karton.“
Das ist doch ein Ansatzpunkt!
Die Frau befolgt die Ratschläge und ruft noch einmal an, weil sie gesehen hat, dass der kleine Flattermann oder die Flatterfrau offensichtlich verletzt ist.

Jetzt gibt Inge K. ihr die Anschrift eines Tierarztes in ihrer Nähe, der sich mit Fledermäusen besonders gut auskennt und sich der Arbeitsgruppe Fledermaus angeschlossen hat.
So kann der kleinen Fledermaus geholfen werden. Der Tierarzt versorgt sie und übergibt sie einem der vielen freiwilligen Helfer, die sich um den Fortbestand dieser bereits bedrohten Tiere kümmern.
Völlig zu Unrecht sind Fledermäuse als Blutsauger in Verruf geraten. Die Sage um Graf Dracula dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Zwar gibt es eine Untergruppe der Fledermäuse, die sich vom Blut anderer Tiere ernährt, bei uns braucht man sich aber nicht vor Vampiren zu fürchten – sie leben nur in Amerika. Hierzulande ernähren die kleinen nachtaktiven Flieger sich von Insekten und sind daher ausgesprochen nützliche Tiere.
Sie kommen den Menschen sowieso nicht nahe, man braucht ihnen nicht einmal auszuweichen, denn ihr Ortungssystem durch Schallwellen, die sie ausstoßen und an deren Rückschall sie sich orientieren, ist so fein, dass sie jedem Gegenstand weiträumig ausweichen können und niemals irgendwo anstoßen.

Sommertage und den gesamten Winter verschlafen sie in Höhlen, auf Dachböden und in Felsspalten. In dem größten bekannten Winterquartier, den unterirdischen Bunkern des Ostwalles aus dem 2. Weltkrieg in Polen, überwintern jährlich über 30.000 Fledermäuse.
In unserer reinlichen Zivilisation sind alte Dachstühle und Mauerspalten in Häusern und Scheunen selten geworden, und nicht nur dadurch, sondern auch durch Nahrungsmangel, der durch Insektizide bedingt ist, kommen viele Fledermäuse in Not.
Im Januar, in der Zeit, in der man Bäume für Brennholz fällt, werden schlafende Fledermäuse in Bäumen entdeckt. Zwischen Mai und Juli findet man des öfteren junge noch hilflose Fledermäuse, oder man sieht eine Fledermaus tagsüber an der Außenmauer eines Hauses hängen.
Weil sie wissen, dass sich viele Menschen – übrigens völlig zu Unrecht – vor Fledermäusen ekeln, haben sich Arbeitsgruppen zusammengeschlossen, die hier schnelle Hilfe leisten.
Wer eine Fledermaus gesichtet hat und nicht weiß, was er tun soll, kann das Nottelefon von www.flederhaus.de anrufen: Unter 0179-4972 995 erfährt man, wer sich in der Nähe mit Fledermäusen befasst oder wie man selbst helfen kann.
Die Leute vom „Flederhaus“ tun aber noch mehr, denn sie möchten das ramponierte Ansehen der kleinen Segler wieder herstellen. So werden Fledermauswanderungen angeboten, es gibt informative Faltblätter zum Bau von Fledermausbehausungen, sogar eine interaktive CD „Kleine Nachtgespenster“ kann man erhalten. Und immer wieder zuverlässig schnelle Hilfe, wenn man eine Fledermaus entdeckt.
Deshalb noch einmal: www.flederhaus.de und das Nottelefon: 0179 49 72 995.
Text: uta over
© Fotos: www.flederhaus.de












