Fotostory: Hier dürfen Papageien Papageien sein

Weit über hundert Papageien leben auf dem Papageien-Gnadenhof in Bühl-Allerheim, teilweise als Paare, teilweise in großen Gruppen – wie sie es am liebsten möchten – in großen Volieren auf über 300 Quadratmetern.

Die meisten von ihnen haben hier zum ersten Mal in ihrem Leben das Gemeinschaftserlebnis, das für Papageien so wichtig ist. Die Schwarmvögel vereinsamen, wenn man sie alleine hält – das „Sprechen“ ist nur ein Ventil ihrer für ihren Mangel an Kommunikation mit anderen Papageien.

Vögel, die im Schwarm leben, haben dieses Nachplappern nicht nötig.

Vor etwa fünfzehn Jahren kam der erste pflegebedürftige Papagei zu Hedi Hofstetter. Sie pflegte ihn gesund,  und bald darauf kam der nächste, danach wieder der nächste und so weiter. Es hatte sich herumgesprochen, dass sie ein Herz und ein Händchen für und das nötige Wissen über Papageien hat. Viele Papageien, die von Fachärzten schon aufgegeben waren, wurden bei ihrer Pflege wieder gesund – und blieben.

So kam es, dass der Papageienbestand im Haus Hofstetter mit den Jahren gewaltig zunahm, und irgendwann konnte eine einzelne Familie weder die pflegerischen Aufgaben noch die finanziellen Aufwendungen tragen. Also gründete man einen Förderverein.

Mittlerweile ist der Papageien-Gnadenhof weithin bekannt. Hier werden in Not geratene Papageien nicht nur „verwahrt“, sondern man bemüht sich intensiv, ihnen für den Rest ihres ja oft sehr langen Lebens eine schöne Heimstatt zu bieten. Denn kein Papagei wird weitervermittelt.

Wer hierher kommt, hat eine Heimat gefunden, die er nicht mehr zu verlassen braucht. Sehr sorgsam versucht man, die Neulinge in eine Gruppe zu integrieren oder mit einem Partner zu vergesellschaften. Das ist oft eine über Monate dauernde Angelegenheit, denn viele Tiere haben ihr Leben bisher allein verbracht und empfinden fremde Vögel erst einmal als Bedrohung. Oft braucht es viel Fingerspitzengefühl und Geduld, bis man einen auf Menschen fixierten Vogel wieder in die Gemeinschaft Gleichartiger eingegliedert hat. Dabei achtet man darauf, nicht ständigen Kontakt zum Menschen zu gewährleisten, denn oft verhalten sich die Vögel untereinander völlig anders, wenn kein Mensch in der Nähe ist. Aus diesem Grund gibt es ein Überwachungssystem mit Kameras, das Aufschluss über „das geheime Leben der Papageien“ gibt. Vermeintliche „Unschuldslämmer“ verwandeln sich in Abwesenheit des  Menschen nämlich gelegentlich in Tyrannen, und ausgesprochen aggressive Papageien werden schüchtern und ängstlich, wenn kein Mensch in der Nähe ist. Da die Gruppe auf Jahre hinaus friedlich zusammen leben soll, ist gerade die Kameraüberwachung wichtig und aufschlussreich.

Daher kann man auch nicht wie in einem normalen Tierheim fast jederzeit als Besucher auf den Gnadenhof kommen. Die Tiere sollen ihre Ruhe finden und ungestört bleiben. Natürlich sind Wissensdurstige immer willkommen, aber man erwartet auch Verständnis dafür, dass sie nicht an jede Voliere, an jeden Vogel herangeführt werden können.

Und noch ein Anliegen hat man auf dem Gnadenhof, nämlich die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Bedürfnisse der so schönen, großen und dekorativen Vögel. Dass man einen Papageien niemals allein halten sollte, dass er neben Körnerfutter viel Obst und Gemüse, Knabberzeug und Beschäftigung braucht. Es ist erschütternd, die erstaunten Blicke eines Papageien zu sehen, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Stück frische Banane und Apfelsine bekommt – und sogar noch zwischen zwei Obstsorten wählen kann... So lebt mancher Vogel schon allein dadurch in der Quarantäne und der Eingewöhnungszeit, in der er noch allein bleiben muss, erstaunlich auf und verändert sein Aussehen und Verhalten positiv.

Einer der großen Wünsche der Pfleger und Betreiber des Gnadenhofs ist es, irgendwann einmal weniger Papageien zu bekommen, weil ihre Aufklärungsarbeit dann dazu geführt hat, dass die Vögel artgerechter gehalten werden.

 

© Text: Uta Over
© Fotos: www.papageien-gnadenhof.de

Artikel bewerten:

Bewertung: 3.3/5 (39 x bewertet)

Druckversion
 

AKTUELLES

Die SCHÖNSTEN Bilder


  •  

3.6 / 5
2796x bewertet

  •  

3.6 / 5
2785x bewertet

  •  

3.6 / 5
115x bewertet

Gewinnspiel

Bild: Gewinnspiel bei Liebling Tier TV
Cornelia Funke erzählt in ihrem Buch von Emma, die die Stute Mississippi von ihrer Großmutter geschenkt bekommen hat. Doch als Mississippis alter Besitzer sie zurück fordert steht fest: die Sommerferien bleiben nicht so ruhig wie gedacht!


Zum Gewinnspiel:
hier mitmachen

Liebling Tier TV Buchtipp

 Anne Krüger
Besser kommunizieren mit dem Hund