Fotostory: Familien-Wollschweine
„Als wir die ersten beiden Wollschweine anschafften, hatten wir einen kleinen Hänger ans Auto gehängt“, erzählt Veronica, eine der Töchter der Familie. Doch als sie die beiden gestreiften Winzlinge dann sahen, brachten sie es nicht übers Herz, sie in den Hänger ins Stroh zu setzen, wo sie vermutlich bei dem Geschaukel und Geruckel Angst gehabt hätten.
Also nahmen die Kinder den winzigen Eber und die noch winzigere Sau auf der Rückbank des Autos auf den Schoß, wo sie die Fahrt selig verschliefen.
Zuhause angekommen sollten sie dann aber doch in ihrem schön hergerichteten Schweinehaus schlafen. Doch das wollten die Wollschweine nicht.
„Sie hatten Angst, da reinzugehen“, sagt Veronica und lacht. „Meine Schwester ist dann zuerst reingekrochen, dann kam der Eber. Und die Nacht hat sie auch mit dem Winzling im Schweinehaus verbracht. Die kleine Sau hat sich dann am nächsten Morgen auch reingetraut. Und danach die Nacht haben sie schon beide allein darin verbracht.“
Seitdem lebten sie glücklich und zufrieden bei Familie Arends in Gubitzmoos und vermehrten sich reichlich. Allerdings dauerte es für „normale“ Hausschweine ziemlich lange, denn zuerst mussten sie ihr gestreiftes Frischlingsfell, das sehr an das von Wildschweinen erinnert, ablegen. Und erst im Alter von etwa dreizehn Monaten war die Sau dann deckbereit und brachte bald darauf die gestreiften Ferkel zur Welt.
Ungarische Wollschweine, die Mangalitzas, sind in ihrer ungarischen Heimat genau wie das deutsche Weideschwein bei uns fast ausgestorben – Schweine hält „man“ hierzulande und auch in Ungarn nicht mehr in Weidehaltung, sondern in großen Zuchtställen. Nur noch wenige Halter gönnen ihnen größere Flächen.
Dabei sind sie ausgesprochen anspruchslos. Sie sind hitze- und kälteresistent, ihre kräftigen Beine erlauben ihnen sogar längere Wanderungen. In manchen Gegenden setzen ihre Halter sie zum Umbruch des Bodens ein. Das ist bodenfreundlicher als tiefes Pflügen, es ernährt die Schweine wieder einmal für eine oder zwei Wochen – und macht gutes Muskelfleisch. Auch Kastanienwälder werden teilweise mit ihnen gepflegt, denn Kastanien und Eicheln sind ihre absoluten Leckerbissen im Herbst und bringen eine schöne wärmende Speckschicht für den Winter.
Die Schweine der Familie Arends hatten solch ein gesundes und freies Leben und vermehrten sich prächtig.
„Natürlich ist es schlimm, wenn sie geschlachtet werden müssen“, sagt eine der Töchter. „Aber sie haben ein viel besseres Leben gehabt als andere Schweine. Ein Kotelett aus dem Supermarkt würde ich nie essen!“ Wenn man einen bäuerlichen Betrieb hat, lernt man Realismus.
Doch leider war es irgendwann vorbei mit der Freiheit der schwalbenbäuchigen Wollschweine. Nachdem sie einige Jahre ungestört ihre Weide genossen hatten, machten die Behörden plötzlich Auflagen, bei der die Haltung einer derartigen urwüchsigen Schweinerasse nicht mehr möglich war: Aufstallung, kaum Auslauf – kein anständiges Schweineleben, fand Familie Arends. Nach langem Überlegen verkaufte sie die Wollschweine an einen verantwortungsvollen Züchter. Und da die Auflagen der Behörden auch für die anderen Tiere in einem Maße zunahmen, dass die Familie sie im Sinne ihrer Tiere nicht erfüllen wollte, beschlossen sie sowieso auszuwandern. Schade, wieder ein engagierter Züchter gefährdeter Haustierrassen weniger, denn auf dem Hof leben noch andere Haustiere, deren Erhaltung wünschenswert wäre.
© Text: Uta Over; Fotos: Familie Arends












