Aktuelle Untersuchung in den Sea Life Aquarien: Welche Hand schüttelt man einem Oktopus?

Rechtshänder oder Linkshänder – viel Auswahl haben wir Menschen nicht. Ganz anders sieht es bei Oktopoden aus: Ihre acht Arme bieten eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten. Eine aktuelle Untersuchungsreihe soll jetzt klären, ob die verspielten und einfallsreichen Tiere dennoch einen Lieblingsarm haben!

Die neun deutschen Sea Life Großaquarien wollen in Kooperation mit allen  europäischen Sea Life Standorten der Frage nach der Händigkeit bei Oktopoden auf den Grund gehen. Einmaliger Pluspunkt für die Biologen: Sie können auf die Tierbestände von 23 Sea Life Aquarien zurückgreifen – ein Umfang, der früheren Studien fehlte.

Welchen Arm ein Oktopus bevorzugt zur Erkundung und Manipulation seiner Umgebung einsetzt, ist keine meeresbiologische Randfrage. Es liegen schon mehrere Studien vor, deren Ergebnisse sich aber kaum auf einen Nenner bringen lassen: Manche Wissenschaftler glauben, dass die Kopffüßer stets den gerade dem zu greifenden Objekt nächstliegenden Arm einsetzten – andere dagegen, dass die Tentakel nur in bestimmter Kombination zugreifen. Und das vermutlich in Abhängigkeit von der Nähe zum bevorzugten Auge des Tiers.

Oktopoden entwickeln sich seit 500 Millionen Jahren getrennt von den Wirbeltieren, aus denen der Mensch hervorging. Dennoch sind sie ähnlich verspielt und geschickt wie viele Säugetiere, gelten als intelligent. Es können ähnliche Verhaltensmuster beobachtet werden, obwohl ihr Körperbau sich radikal von Tieren mit Skelett unterscheidet. Gerade deshalb sind sie für Wissenschaftler interessant, die sich mit der Entwicklung von Händigkeit beschäftigen. Oktopoden haben mehr als die Hälfte ihrer Nerven in den Tentakeln – und es wurde bereits nachgewiesen, dass sie teilweise sogar mit ihnen denken! 

Aufschluss über die Frage nach einem Lieblingsarm erhoffen sich die Sea Life Biologen durch die Beobachtung der Tiere. ‚Wir werden sie täglich um 15 Uhr aus allen Richtungen füttern und beobachten, welchen Arm sie benutzen. Zusätzlich haben wir eigens für diese Untersuchung ungewohnte Objekte entwickelt und viel Spielzeug besorgt, dass wir im Becken platzieren,’ so Dr. Holger Kraus, biologischer Leiter im Sea Life Konstanz. Übrigens. Auch Besucher können sich an der Studie beteiligen. ‚ Bei uns wird der Tierliebhaber selbst zum Wissenschaftler. Er kann das Verhalten der Oktopoden genau studieren und die Erkenntnisse dokumentieren.’ Die Ergebnisse der Versuchsreihe sollen im Herbst bekanntgegeben werden.

 

Fotos: © Sea Life       

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